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Pressestimmen zum Aktionsladens "Eine Welt" (Auswahl)

.... so hat man uns von außen gesehen

 

Wir zitieren hier einige Reaktionen in der Presse auf unseren Weltladen und seine Aktionen.

Wer weiteres Material findet kann uns das gerne - möglichst in digitaler Form - zukommen lassen.

 

 

 Der Pionier des fairen Handels

von Erik Wenk

Feste Instanz. Der Weltladen bekommt die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt.

Der Potsdamer Aktionsladen „Eine Welt“ ist der älteste Laden für fair gehandelte Produkte in Ostdeutschland. Nun feiert er sein 25. Jubiläum

Innenstadt - Spenden sammeln für Afrika – das macht der Aktionsladen „Eine Welt“ in der Gutenbergstraße 77 nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Egal ob fair gehandelter Kaffee, Schokolade, Honig, Kleidung, afrikanische Instrumente oder Fußbälle – alle Einnahmen des komplett ehrenamtlich betriebenen Ladens gehen an eine gute Sache. Jetzt feiert der Aktionsladen für fair gehandelte Waren und Öko-Produkte aus Entwicklungsländern sein 25-jähriges Jubiläum.

Damit ist „Eine Welt“ der älteste Aktionsladen dieser Art in Ostdeutschland – und der zweite, der überhaupt in der DDR eröffnet wurde: „Mein Bruder war damals Mitglied des entwicklungspolitischen Netzwerks Inkota“, erinnert sich Hildegard Rugenstein, Pastorin der französisch-reformierten Gemeinde in Potsdam. „Über ihn bekam ich mit, dass Inkota in Thüringen Secondhandwaren für gemeinnützige Projekte verkaufte – das fand ich super.“

So gründete Rugenstein zusammen mit anderen Mitgliedern der Gemeinde mitten in den Wirren der Wendezeit den Aktionsladen in den Räumen der französisch-reformierten Gemeinde: „Das war direkt nach der Grenzöffnung, als der Konsumrausch losging. Wir waren der Meinung: Wenn die Grenze schon offen ist, dann bitte überall nach Waren schauen und nicht nur in Westberlin.“

Rugenstein und ihre Mitstreiter waren damals in der DDR-Oppositionsbewegung und im Neuen Forum aktiv und strebten eigentlich den sogenannten „Dritten Weg“ zur grundlegenden Reformierung der DDR an. Diese Pläne waren mit der Wiedervereinigung passé – das dazugehörige Engagement für eine bessere Welt jedoch nicht. Also steckte die Gruppe ihre Energie vollständig in den Aktionsladen.

Dabei lag die Betonung auf „Aktion“, denn der Laden sollte ursprünglich nur eine einmalige Initiative sein. Doch der Erfolg war überwältigend: „An drei Samstagen hatten wir mit Secondhandsachen über 15 000 DDR-Mark eingenommen“, sagt Rugenstein. Da die französisch-reformierte Gemeinde selbst von Flüchtlingen gegründet worden war, beschlossen die Ehrenamtler, den Erlös für Wolldecken für mosambikanische Flüchtlinge auszugeben.

Schnell war klar: Der Aktionsladen soll weiter bestehen. Die Gemeinde stellte der Initiative großzügig einen ihrer Räume, in dem zuvor noch Gottesdienste stattfanden, mietfrei zur Verfügung – bis heute. Richtig los mit den fair gehandelten Waren ging es aber erst nach der Währungsunion im Sommer 1990.

Das Projekt, das der Aktionsladen seitdem am längsten unterstützt, ist der Itamba e.V., welcher Kindern und Jugendlichen in Tansania eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht. Das Projekt läuft bereits seit fast 20 Jahren und hat sich als sehr erfolgreich erwiesen: „Ein Junge, der damals durch Itamba in die Schule gehen konnte, hat danach studiert, ist jetzt selbst Professor und hat eine Nachfolgeorganisation gegründet“, sagt Rugenstein.

Ab 2003 verkaufte der Aktionsladen als einer der ersten Anbieter in Potsdam fair gehandelte Bananen. Rugenstein hatte zuvor in Panama und Costa Rica Bananen-Plantagen von Chiquita besucht und war über die menschenunwürdigen und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen dort entsetzt: „Seitdem habe ich nie wieder eine konventionell angebaute Banane gegessen.“ Da die Lagerung der Früchte jedoch problematisch war und die Verkaufszahlen relativ gering blieben, nahm der Laden die Bananen wieder aus dem Sortiment, als auch große Supermärkte in Potsdam anfingen, fair gehandelte Bananen zu verkaufen.

Neben vielen anderen Projekten, die „Eine Welt“ unterstützt, hat der Aktionsladen auch einen Bildungsverein gegründet und bietet schon seit Langem Filme und Lesungen über fairen Handel an. Häufig besuchen Schulklassen oder Studenten den Laden, Studenten stellen auch den Großteil der derzeit rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die Öffnungszeiten richten sich nach den Ehrenamtlern, was in der Vergangenheit hin und wieder zu Verschiebungen oder kürzeren Öffnungszeiten geführt hat. In den vergangenen zehn Jahren hatte der Aktionsladen jedoch so viel Zulauf von Freiwilligen, dass die Zeiten seitdem stabil sind.

Hildegard Rugenstein, die heute noch gelegentlich im Laden mit aushilft, ist zufrieden mit der Entwicklung, die „Eine Welt“ in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Besonders freut sie, dass fair gehandelte Waren und Bio-Produkte mittlerweile auch in vielen großen Supermarkt-Ketten angeboten werden, wenn auch noch in sehr kleinem Umfang. „Am besten wäre es natürlich, wenn man einen Laden wie diesen gar nicht bräuchte“, sagt sie. Dabei ist der Aktionsladen längst mehr als nur eine Verkaufsstelle: Es gebe viele Stammkunden, die einfach gerne vorbeikommen, Tee trinken und sich unterhalten, so Rugenstein: „Es ist ein Ort, an dem man ständig Alternativen denken und ausprobieren kann.“

PNN 29.12.2014

 

 

   Starkes Gemeinschaftsgefühl

.... Nadine Günther und Annelie Sattler arbeiten im Aktionsladen "Eine Welt"

 

Eigentlich fänden es Nadine Günther, Geographie, Politikwissenschafts- und Soziologie-Studentin im sechsten Semester sowie Annelie Sattler, Studentin für Soziologie und Erziehungswissenschaften im 3. Semester ganz gut, wenn man sie hier nicht mehr brauchen würde. Denn dann gäbe es ein allgemein verbreitetes Bewusstsein für fairen Handel, für mehr solidarisches Miteinander, für mehr Gerechtigkeit insgesamt in der Welt. Die wäre dann vermutlich eine bessere und hätte solche Läden wie den, in dem beide zur Zeit arbeiten, nicht mehr nötig. Bis das jedoch soweit sei, bleibe noch viel Aufklärungsarbeit zu tun.

Seit 1989 existiert der Aktionsladen "Eine Welt" am Bassinplatz in der Gutenbergstraße, der im Gemeindehaus der Französisch Reformierten Gemeinde sein mietfreies Domizil hat. Dass dieser von einer Pastorin gegründete Laden schon so lange funktioniert, ist dem ausschließlich ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Potsdamer Studierender zu verdanken. Im Moment sind es etwa sieben Studierende, die sich im Laden und in seinem Umfeld engagieren, Tendenz steigend. "Ohne diese ehrenamtliche Tätigkeit", so Nadine Günther, "wäre er nicht überlebensfähig, trotz seiner recht guten Lage im Holländerviertel". Sie arbeitet seit drei Jahren hier, Annelie Sattler erst seit ein paar Monaten. Jeden Montag ist die eine, jeden Mittwoch die Andere hier anzutreffen, immer zwischen 15.00 und 18.00 Uhr. An den übrigen Wochentagen übernehmen andere den "Ladendienst". Der Laden hat seine Stammkundschaft, erweitere Öffnungszeiten allerdings wären auf ehrenamtlicher Basis nicht tragbar. "Es geht nicht darum, dass wir hierher kommen, um uns gut zu fühlen, sondern dass wir hier einen Teil unserer Lebensinteressen ausleben. Viele studieren in dieser Richtung und sehen auch ihre Zukunft in dieser Art von Arbeit, entweder im sozialpolitischen oder -pädagogischen Bereich, in der Arbeit mit Migranten, der Entwicklungszusammenarbeit oder in internationalen Organisationen", sagt Günther. Nach dem Abitur war sie als weltreisende Rucksacktouristin unterwegs und danach für einige Monate in Nicaragua im Bildungs- und Gesundheitswesen tätig. Über die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) absolvierte sie ein Praktikum in Pakistan, weitere werden folgen. Dass man hier seine Zeit sinnvoll verbringt, empfindet auch Annelie Sattler so, die sich außerdem noch in zwei Berliner Vereinen mit ähnlichen Schwerpunkten engagiert: "Natürlich muss der laufende Betrieb, also der Ein- und Verkauf organisiert werden, und zwar mit möglichst abwechslungsreichem Sortiment. Aber das ist nur ein Aspekt. Nicht minder wichtig sind die Bildungsangebote. Von hier aus werden regelmäßig Aktionstage, Informationsabende oder Kooperationsveranstaltungen mit verschiedenen Partnern organisiert."

Nicht selten aber finge die Aufklärungsarbeit hier direkt im Laden an, etwa wenn Besucher kämen, oft Touristen, und danach fragten, warum sie denn den Zucker oder den Kaffee ausgerechnet hier kaufen sollen.
Der "Gewinn" fließt größtenteils wieder zurück in entwicklungspolitische Projekte. Im speziellen Falle kommt er einem Förderverein zu Gute, der Gelder an bedürftige Schüler in Tansania weitergibt und dadurch deren Schulbesuch sicherstellt.

Unter den Mitarbeitern des Ladens herrsche ein starkes Gemeinschaftsgefühl: Der Austausch über die unterschiedlichen Projekte mit jedem einzelnen sei sehr intensiv, so Sattler. "Die Arbeitsatmosphäre ist angenehm. Man merkt, dass alle ehrenamtlich, eigenständig und in einem hierarchiefreien Raum arbeiten. Jeder partizipiert hier vom anderen. Das ist nicht einfach nur ein Laden, in dem fair gehandelte Produkte verkauft werden, sondern Anlaufpunkt, Kontaktbörse, Netzwerkzentrale und nicht zuletzt auch ein Ort, an dem man sich in unterschiedlichen Bereichen weiter bilden kann."

Portal - Die Potsdamer Universitätszeitung, 6/07

 

 

 

 

   "Ungerechte" Bananen schneller braun

.... Lenné-Schüler machen sich für fairen Handel mit Südfrüchten Stark

 

INNENSTADT Mit einem Aktionsstand machten Schü­ler eines Kurses Politische Bil­dung der Peter-Joseph-Lenne­Gesamtschule am Sonnabend auf dem Markt am Nauener Tor auf die unfairen Bedingun­gen aufmerksam, die Exporteure von Bananen den erzeugenden Bauern aufzwingen. "Wir beteiligen uns mit unse­rem Kurs an einem Wettbe­werb der Bundeszentrale für Politische Bildung. Als dafür das Bananen-Thema vorge­schlagen wurde, wusste ich gleich, dass das genau das Richtige ist", sagte Johanna Waldeck.

Die Marktbesucher konnten sich von der besonderen Qualität der Bananen aus fairem Handel überzeugen. Während die von bekannten Exporteuren stammenden Früchte nach einiger Zeit im aufgeschnittenen Zustand schon leicht braun wurden, sahen die Bananen, die die Schüler aus dem, "Eine Welt"-Laden in der Gutenbergstraße bezogen hatten, noch gut aus. "Das kommt, weil· die nicht mit Pestiziden behandelt wer­den", war sich Felix Heller sicher. "Das hat uns selbst über­rascht." Der zweite große Vor­teil sei die adäquate Bezahlung der Bauern in den Erzeugerländern:· "Normalerweise bekommen sie einen Dollar für eine Kiste. Beim fairen Handel verdienen sie fünf", sagte der Schüler. Wie viele Menschen am Stand stehen geblieben waren, wussten sie nicht mehr, aber zwei Kisten mit je 19 Kilogramm der krummen Früchte waren am Ende der Aktion verkauft, obwohl sie mit mehr als zwei Euro teuerer als im Supermarkt sind. Mit Fotos und Berichten vorm Stand für den Wettbewerb endet das Engagement der Schüler aber nicht: "Jetzt machen wir eine Sonderausgabe unserer Schülerzeitung zum Thema", kündigt Waldeck an.

Sebatian Scholze / Märkische Allgemeine Zeitung 27.2.2006

 

 

 

 

   Wenn die Frau einen Anzug heiratet „Aktion eine Welt“

 

Brandenburger Vorstadt - „Welche Eindrücke bekommt ein Ostafrikaner, wenn er nach Deutschland kommt?“ Diese Frage stellt Karl Hildebrandt an diesem Dienstagvormittag den Schülern der Klasse 10 b der Käthe-Kollwitz-Realschule. Hektik, wenig Natur, Verschlossenheit, weniger Kinder und unterschiedliche Kleidung. So lauten einige der Antworten der Schüler.

Karl Hildebrandt ist Lehrer an einer Privatschule und engagiert sich im „Aktionsladen Eine Welt“ in der Gutenbergstraße. Der hat zusammen mit dem Babelsberger Weltladen „Solidario“ das Bildungsprogramm „Aktion eine Welt“ ins Leben gerufen. Seit Anfang 2003 gehen die fünf ehrenamtlichen Helfer dieses Programms an Potsdamer Schulen und referieren an Projekttagen oder in Gesprächsrunden über entwicklungspolitische Themen und den Fairen Handel.

Aber wie hängen die Eindrücke eines Ostafrikaners mit dem Eine-Welt-Gedanken zusammen? „Der Faire Handel soll den Schülern greifbar näher gebracht werden“, erklärt Hildebrand. „Die Schüler sollen die Zusammenhänge begreifen und für entwicklungspolitische Themen sensibilisiert werden.“ Dazu arbeitet der 30-Jährige mit dem Buch „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland“. Dieses Buch wurde bereits vor rund 90 Jahren vom Deutschen Hans Paasche veröffentlicht, der während der Kolonialzeit als Marineoffizier ins damalige Ostafrika kam. Dort lernte er den Eingeborenen Lukanga Mukara kennen, aus dessen Sicht Paasche die Verhältnisse in Deutschland aufschrieb. Beim Lesen des Buchs stellt man fest, dass die Ansichten der Potsdamer Schüler schon vor 90 Jahren existierten. Lukanga Makara schildert die Eile der Deutschen, wie sie versuchen, ihr Glück zu finden, indem sie nach immer mehr Geld streben. Lukanga kann dies nicht nachvollziehen, bezahlt man in Ostafrika doch mit Rindern und Ziegen und nicht mit Papier und Metallstückchen. Auch die Kleidung findet Lukanga merkwürdig. Anzüge ließen alle Menschen gleich aussehen, so dass Frauen nicht einen Mann, sondern einen Anzug heirateten.

Karl Hildebrandt findet das Buch sehr passend, da es nicht den „moralischen Zeigefinger“ auf die Menschen richte. Kritisch sind die Schüler der 10 b selbst. Rechtsextremismus, Arbeitslosigkeit und die Unfähigkeit der Regierung im eigenen Land werden beklagt. Karl Hildebrandt hat sein Ziel erreicht: Die Schüler für mindestens zwei Stunden zum Nachdenken anzuregen. Nicola Petri    Potsdamer Neuste Nachrichten 22.12.2004

 

 

 

 

   Die ewig hektischen Sungu

.... Zehntklässler der Kollwitz-Realschule üben interkulturelles Verständnis

 

POTSDAM WEST Frauen aus Brasilien, Geld aus Amerika, Wasser aus dem Mittelmeer, Essen aus Italien, Wein aus Spanien. Gefragt nach "Ländereigenschaften", die Schüler am liebsten importieren würden, wollten sie - offenbar sehr in Wunschzettelstimmung - die genannten Dinge. Einwohner eines Phantasielandes, das sich andere Zehntklässler erträumen durften, leben in einer Demokratie, kommen ohne Drogen und Alkohol aus, haben einen 36-Stunden-Tag "für mehr Freizeit", besitzen alle einen Job und lassen "nicht nur Geld die Welt regieren".

Eine andere Schülergruppe der Käthe Kollwitz-Realschule sollte sich Gedanken machen, welche Unterschiede eine fiktive "Frau aus Ostafrika", die erstmals Deutschland besucht, zu ihrer Heimat feststellt: Sie sähe, dass die Menschen hierzulande "verschlossen und hektisch" seien, andere Kleidung tragen, es "nicht so viel Armut", weniger Kinder und mehr Ärzte gebe.

Die Aufgaben formulierte Karl Hildebrandt gestern innerhalb des Deutschunterrichts bei der Klasse 10b der Kollwitzschule, um über Bilder der eigenen Landsleute und Ausländer diskutieren zu können. Hildebrandt ist Referent des Bildungsprogramms "Aktion Eine Welt", das mit verschiedenen, schülergerechten Angeboten "interkulturelles Verständnis" fördern will.

In diesem Zusammenhang präsentierte Hildebrandt ein Buch, in dem ein historischer, aber noch aktueller, kritisch-amüsanter Blick auf Deutschland geworfen wird. "Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland" heißt das bereits 1920 erschienene Buch. Darin sind neun Briefe Mukaras zusammengestellt, die dessen Freund Hans Paasche, ein Vorreiter der damaligen Bewegungen von Pazifisten und Vegetariern, veröffentlichte. Um glücklich zu sein, heißt es in einer Passage, müssten die ewig hektischen "Sungu" (Deutsche/Weiße) "viele Dinge kaufen". Jemand, der nichts oder wenig kaufe, gelte entsprechend nichts. Und Frauen heirateten keinen ausgebildeten Körper, sondern "nur einen Anzug, der einen Schwachen wie einen Starken" gleich aussehen lässt. Ohnehin sei der "Mangel an Bewegung" schuld daran, dass sich Sungu-Körper derart veränderten, dass man "sie nicht mehr nackt zeigen könne", so Mukara. R.N.                                                                                       Märkische Allgemeine Zeitung 22.12.2004

 

 

 

 

Fairer Handel seit 1989

  „Eine Welt“-Laden am Bassinplatz feiert Geburtstag

„Eine Welt“-Laden am Bassinplatz feiert Geburtstag „Sofort nach der Wende setzte ein wahrer Konsumwahn ein, da wollten wir gegensteuern“, sagt heute Hildegard Rugenstein, Pastorin bei der französisch-reformierten Gemeinde in Potsdam. In ihrer Funktion gehörte Rugenstein zur Gründer-Mannschaft des Aktionsladens „Eine Welt“ in der Gutenbergstraße 77, der jetzt sein 15-jähriges Jubiläum feiert. Sie erinnert sich: „Damals war unser Angebot noch sehr klein und wir hatten kaum geöffnet, trotzdem nahmen wir innerhalb eines Monats fast 10 000 DDR-Mark ein.“ Seit der Eröffnung steht vor allem ein Gedanke im Mittelpunkt ihrer Arbeit: Der faire Handel zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern. Kirster Volkmann, ein Mitarbeiter des Ladens, erklärt den Begriff: „Es geht um den gerechten Handel auf Augenhöhe zwischen armen und reichen Ländern.“ Dazu würden laut Volkmann zum Beispiel faire Preise gehören, etwa für den Anbau von Kaffee oder Tee. „Zwar sind unsere Produkte ein Stück teurer als im Supermarkt, jedoch können wir ihrer Herstellung unter menschenwürdigen Bedingungen garantieren.“ Weitere Bedingungen, dass sich Produkte das Siegel des „fairen Handels“ anheften können, seien umweltschonender Anbau oder die demokratische Mitsprache der Mitarbeiter. Die Kontrolle dieser Kriterien liegt bei Firmen wie der „gepa“ Fair Handelshaus. Diese ist heute die größte Organisation für fairen Handel in Europa mit einem Jahresumsatz von fast 37 Millionen Euro mit Partner-Produzenten in über 150 Genossenschaften und Vermarktungsorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Von diesen bezieht die „gepa“ zu Lebensmittel, Handwerksartikel und Textilien. Diese Produkte stehen dann bundesweit in den 800 Weltläden und bei 6000 Aktionsgruppen, aber auch in vielen Supermärkten, Bio- und Naturkostläden, Firmenkantinen und Bildungsstätten. Im Potsdamer „Eine Welt“–Laden will man jedoch nicht nur für fair gehandelte Produkte verkaufen. Seit dem Beginn der Arbeit ist die Bildung der Kundschaft gleichzeitig ein wichtiges Anliegen, etwa in Vorträgen oder bei Besuchen in Schulen. Außerdem spendet der Laden seine Gewinne an Projekte in Afrika wie das Itamba-Schuldorf in Tanzania. Die Arbeit der Laden-Betreuer ist noch immer ehrenamtlich. Rugenstein schwärmt vom großen Kreis von ehemaligen Helfern und sagt: „Wir können Nachwuchs immer gut gebrauchen.“ HK

PNN 7.12.2004

 

 

 

 Viel mehr als nur ein Einkaufsladen

Karl Hildebrandt arbeitet als Ehrenamtlicher im Weltladen

Karl Hildebrandt arbeitet als Ehrenamtlicher im Weltladen LEUTE IN POTSDAM Inmitten von afrikanischem Spielzeug, lateinamerikanischem Kaffee und asiatischem Tee verbringt Karl Hildebrandt seine Freizeit. Hier fühlt er sich wohl. Unheimlich interessant sei es, wem man dort so alles begegnete, schildert der junge Mann. Leute, mit denen man sonst nie in Kontakt treten würde. Karl Hildebrandt arbeitet im Weltladen am Bassinplatz und verkauft dort Produkte des fairen Handels, „um Produzenten aus Entwicklungsländern einen angemessenen Preis für ihre Ware zu bieten“. Der gebürtige Dresdner hegte schon als kleiner Junge den Wunsch, einmal in Potsdam zu leben und zu arbeiten. Nach der Wende verließ er als Schüler seine Heimatstadt und wohnte zunächst einige Jahre bei Bonn, in Dortmund und Freiburg. 1995 verwirklichte er seinen Traum und begann sein Studium der Geschichte, Soziologie und Psychologie an der Universität Potsdam. Als er vor drei Jahren sein Studium abschloss, trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum für Europäische Aufklärung an, wo er schon als Student gejobbt hatte. Als Historiker forscht er dort über Entwicklung und Ökonomieverständnis im 18. Jahrhundert. Ebenfalls während seines Studiums begann er, ehrenamtlich im Aktionsladen Eine Welt zu arbeiten. Hildebrandt war selbst Kunde dort, als ihm vor einigen Jahren auffiel, dass das Geschäft wegen Personalmangels immer häufiger geschlossen blieb. „Da entschloss ich mich mit einigen Freunden, selbst Engagement zu zeigen.“ Seitdem habe sich ihm eine ganz neue Welt geöffnet, denn er habe nicht nur viel Interessantes über Entwicklungspolitik gelernt, sondern auch Kontakte geknüpft. Das Geschäft sei „viel mehr als ein Einkaufsladen“, schildert Hildebrandt, denn „man nimmt sich Zeit zum Unterhalten und Austauschen, man steigt immer tiefer in die Projekte ein“. So hat auch Hildebrandt zusammen mit einem weiteren Kollegen ein neues Projekt gestartet. Seit Anfang des Jahres bieten sie ein Bildungsprogramm für Potsdamer Schulen an, in welchem Schüler über Grundsätze des fairen Handels und Themen aus der Entwicklungspolitik aufgeklärt werden sollen. Die Nachfrage einiger Schulen sei inzwischen so stark, dass die Realisierung auf ehrenamtlicher Basis kaum noch möglich sei. Dass er der ehrenamtlichen Arbeit einen großen Teil seiner Freizeit opfert, ist für Hildebrandt ganz selbstverständlich. Unter den Kollegen habe sich während der Jahre bereits eine Art Familiensinn aufgebaut, schildert der Alleinstehende. Auch außerhalb des Ladens würden sie Zeit miteinander verbringen und das gemeinsame Interesse teilen, alternative Wege zur aktuellen Entwicklungspolitik zu finden. „Alleine tue ich mit meiner Arbeit nur einen kleinen Schritt, doch durch viele kleine Schritte kann man gemeinsam etwas ändern“, beschreibt Hildebrandt den Idealismus, der seine Arbeit prägt.

Anja Gaentzsch/PNN 26.9.2003

 

 

 

Bund für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit 

Hauptversammlung des Reformierten Weltbundes (jetzt Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen)

 

!H - Der Hugo unsere Gemeindewährung

.... weil Geld Menschenwerk ist, können wir seine Funktion bessern

 

 

 

   

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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