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Henri Alexandre de Catt (1725 - 1795)

.... Vertrauter Friedrich II.

 

De Catt, Sohn eines Süßwarenhändlers, stammte aus Morges am Genfer See. 1758 folgte er der Einladung König Friedrich II., zu nächst, nach Breslau und in den siebenjährigen Krieg. Als enger Vertrauter und häufiger Gesprächspartner wurde er Privatsekretär und "Lecteur du Roi" des Königs, der ihn fast täglich zu sich rufen ließ und den er selbst auf Märschen und in Schlachten begleitete. Aus de Catts Titel darf nicht geschlossen werden, er sie "Vorleser" des Königs gewesen. Vielmehr laß der König ihm häufig vor oder rezitierte ihm allerhand Literarisches.

Der König entwickelte ungewöhnliche Sympathie für den jungen Mann. Er dichte ihm gar ein Liebesgedicht und nennt dabei de Catt seinen "Verlobten". Der erlebte den König also aus nächster Nähe, worüber er sich, mit Einwilligung und Unterstützung des Königs, jahrelang, zum Teil in dessen Gegenwart, Notizen machte. Darin erweist de Catt sich als aufmerksamer Gesprächspartner mit durchaus eigenen Meinungen. Seinen Glauben verleugnete er dem königlichen Zyniker und Spötter nicht. De Catt verehrte den König, aber eben nicht unkritisch. Ihm blieb bewußt, daß des Königs Auffassungen von Menschen, vom Schicksal und von Gott in diametralem Gegensatz zu seinen eigenen Glaubensüberzeugungen standen. So gestaltete sich das Verhältnis Friedrichs zu de Catt wechselhaft. De Catt fiel um 1780 schließlich, was kaum überrascht, in Ungnade, wurde aber nicht vom Hof verstoßen und hatte weiter ein gutes Auskommen.

 

König und Sekretär hatten sich 1755 auf ungewöhnliche Weise kennen gelernt. De Catt beschreibt das als einen "jener seltsamen Zufälle, die die Geschehnisse dieser Welt miteinander verbinden".

Friedrich hatte gerade inkognito als angeblicher Kapellmeister des polnischen Königs einen Abstecher nach Holland gemacht und reiste auf einer Trekschuite von Amsterdam über Utrecht zurück nach Wesel, wo ihm eine Truppenschau zelebriert wurde. Der mitreisende junge Mann gefiel Friedrich durch angenehmes und selbstbewußtes Benehmen. De Catt war seinerzeit Hauslehrer in den Niederlanden, zuvor hatte er Philosophie und Theologie in Lausanne, Genf und Utrecht studiert. Der "Kapellmeister" lud ihn in seine Kabine ein, und man disputierte lebhaft über Politik, Literatur, Philosophie und Glauben. Der Student vertrat freimütig und gewandt seine Auffassungen und scheute sich nicht, Auffassungen seines Gesprächspartners auch zu kritisieren. Er schrieb in einem Brief, Friedrich "meinte, daß es in der Welt mehr Schlechtes als Gutes gäbe. Ich behauptete das Gegenteil, und so stritten wir uns bis zum Ziel der Fahrt". In Utrecht verließ de Catt die Trekschuite ohne zu wissen, mit wem er diskutiert hatte. Der positive Eindruck, den er mit seiner Allgemeinbildung, Freimütigkeit und Lebensfreude hinterlassen hatte war so stark, daß er sechs Wochen später durch persönliches Schreiben des berühmten Königs an den Hof nach Potsdam eingeladen wurde. Das brachte unserer Gemeinde ein neues Mitglied.

 

De Catt heiratete 1762 Ulrike Kühn, die Tochter des preußischen Konsuls in St. Petersburg  und wohne ab 1773 nicht weit von unserer Kirche Am Kanal 7 (Ecke Berliner Straße) nahe dem Berliner Tor. Das Haus war 1724 von einem anderen Gemeindemitglied, Pierre Gayette, errichtet worden. Gut restaurierte ist es heute das älteste erhaltene barocke Typenhaus der Stadt und gehört einem Energiekonzern. Das Auskommen de Catts muß gut gewesen sein. Er ließ 1777 sein stattliches Haus vom bekannten Architekten Georg Christian Unger noch um das elegante Bürgerpalais Berliner Straße 10 erweitern.

 

Bereits seit 1760 war de Catt sogar Mitglied der berühmten Preußischen Akademie der Wissenschaften und schönen Künste.

 

Bekannt geblieben ist de Catt durch seine Tagebuchaufzeichnungen und Notizen aus den Jahren 1758 - 1762, einer hoch kritischen Zeit für Friedrich und für Preußens. Im Todesjahr des Königs stellte er daraus Memoiren zusammen. Darin wird auf hohem literarischem Niveau ein lebendiges Charakterbild des eigenwilligen und oft verklärten Preußenkönigs überliefert.

De Catt schrieb französisch und kommunizierte auch nur so mit dem König, der Deutsch verachtete. Offensichtlich aus Gründen der Geheimhaltung wurde der französische Text zum Teil in griechischen Buchstaben nieder geschrieben.

 

Überraschenderweise veröffentlichte de Catt seine einmaligen Aufzeichnungen und Memoiren nicht. Der Nachfolger Friedrichs ließ sie, sicher nicht grundlos, von den Erben de Catts aufkaufen und archivieren.

Erst gut hundert Jahre nach dem Tod de Catts wurden sie von Reinhold Koser als 22. Band der Publikation aus dem Preußischen Staatsarchiv unter dem Titel "Unterhaltungen mit Friedrich dem Großen. Memoiren und Tagebücher von Heinrich de Catt" auf französisch herausgebracht.

 

Beerdigt wurde de Catt auf dem Prominenten-Friedhof in Bornstedt, nahe dem Park Sanssouci. Am Glockenturm der Bornstedter Kirche befindet sich eine Gedenktafel für de Catt.

 

Weiteres ist nachzulesen in:

"Henri de Catt - Vorleser Friedrichs des Große. Die Tagebücher 1758-1760"

P. Hartig [Hrsg.], Deutscher Kunstverlag, 1986

"Friedrich der Große - Gespräche mit Henri de Catt"

Deutscher Taschenbuch Verlag, 1981

 

 

 

Friedrich der Große und die Religion –  Wohltäter oder Totengräber?

Vortrag von Peter Zimmerling in unserer Kirche anläßlich "300 Jahre Friedrich II."

 

 

 

    

 

       

 

       

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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