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Startseite Französische Kirche Bedeutung der Französischen Kirche

 

Die Französischen Kirche und das Wasser

.... in dem sie sich einst spiegelte

 

Was hat die Französische Kirche mit dem Thema Wasser zu tun? * Vor diese Frage sah ich mich gestellt, als ich 2004 Besucher zum Tag des offenen Denkmals begrüßen wollte. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz veranstaltet alljährlich einen solchen Tag – jedes Mal unter einem anderen Motto. Doch in jenem Jahr wollte es so gar nicht zu unserer Kirche passen: Wasser.

Was hat die Französische Kirche also mit »Wasser« zu tun?

Plötzlich fielen mir aber drei Dinge ein.

 

Auf dem Wasser zur Kirche

Die Baumaterialien für diese Kirche wurden größtenteils per Schiff nach Potsdam geschafft. Die Steine kamen aus Rüdersdorf, Rathenow und Lehnin. Von Rüdersdorf gelangten Kalk und Kalksteine über die Spree nach Potsdam und von Rathenow die Bodenfliesen über die Havel. Im Juli 1751 traf die erste Lieferung aus Rüdersdorf an der Langen Brücke ein. Gut zwei Jahre später war die Französische Kirche fertig.

 

Wasser unter der Kirche

Für einen repräsentativen Kirchenbau wie diesen, kamen Mitte des 18. Jahrhunderts in Potsdam nur drei Orte in Betracht: die Plantage hinter der Garnisonkirche, die Plantage bei den 18 Linden, dem heutigen Platz der Einheit, und der Bassinplatz. All diese Flächen waren damals noch unbebaut. Und zwar aus ein und demselben Grund: Sie lagen auf einem verlandeten Seitenarm der Havel. Schwieriger Baugrund ließ diese Areale unangetastet. Aber zur allgemeinen Überraschung stießen die Bauarbeiter beim Ausheben des Fundaments wenige Meter tief auf festen Grund, so dass der Errichtung der Kirche hier vor Ort nichts im Wege stand. Für die Arbeiten am Fundament vertraute der ausführende Architekt Jan Bouman damals auf den Sachverstand von Brunnenbauern. Offenbar wussten diese Spezialisten am besten, wie ein Fundament gegen das Grundwasser abgeschirmt werden konnte.

 

Wasser in der Kirche

Wasser gab es in der Kirche immer mehr als einem lieb sein konnte. Ursprünglich wurde die Kuppel aus falscher Sparsamkeit neben Kupfer größtenteils mit Blei gedeckt. Dies setze die Haltbarkeit des Daches stark herab und produzierte für die nächsten 200 Jahre laufend Reparaturkosten und Folgeschäden. So drang durch das undichte Dach bald Feuchtigkeit durchs Mauerwerk, was zu Schwamm- und Fäulnisbildung in der Kirche führte. Bereits nach 70 Jahren waren grundlegende Renovierungsarbeiten unvermeidlich, in deren Zuge die Fenster und die komplette Holzeinrichtung ausgetauscht werden mussten. Auf diese baulichen Veränderungen ging auch die im letzten Jahr abgeschlossene Restaurierung der Kirche zurück. Die Inneneinrichtung stammt also zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert oder ist eine Replik dieser Zeit, wie etwa die Bänke unterhalb der Empore. Die Ergebnisse der vom Architekten Karl Friedrich Schinkel geleiteten Restaurierung waren leider nur von kurzer Dauer. Denn eines hatte selbst Schinkel nicht beheben können, ohne dabei massiv in die Konstruktion dieses Bauwerkes eingreifen zu müssen. Die Kuppel war Mitte des 18. Jahrhunderts, anders als gemeinhin üblich, nur einschalig ausgeführt. Dadurch schlug sich in der Kuppel immer wieder Kondenswasser nieder, das ins Mauerwerk eindringen konnte. Schließlich stürzten Teile der Stuckverzierung, die im Laufe des 19. Jahrhunderts hinzu gekommen war, da den Zeitgenossen der Kirchenraum sonst anscheinend zu schlicht wirkte, auf die Gottesdienstteilnehmer herab. Vielleicht war es auch gar nicht das Wasser, was deren Absturz hervorrief. Vielleicht sträubte sich die Kirche selbst gegen diesen überflüssigen Zierrat der, wenn auch dem Geist der Zeit, aber nicht der reformatorischen Idee nach einem feierlichen und zugleich dezenten Andachtsraum entsprach.

 

Wir hoffen, das Problem des Wassereinbruchs mit der letzten Restaurierung im Jahr 2003 endgültig gelöst zu haben. In 70 Jahren wissen wir mehr.

Silke Kamp

 

* Dieser Text basiert auf einem Vortrag, gehalten am 12. September 2004, anlässlich des Tag des offenen Denkmals in der Französischen Kirche.

 

 

 

Zur Geschichte der Französisch-Reformierten Gemeinde Potsdam zwischen 1662 und 1953 

Manoury, Karl

 

Friedrich der Große und die Religion –  Wohltäter oder Totengräber?

Peter Zimmerling

 

Die sonderbare Geschichte der Französischen Gemeinde zu Potsdam - Ein Rückblick 1973 

Rutenborn, Günter

 

Das königliche Geschenk - 250 Jahre Französische Kirche 

Kamp, Silke

 

Potsdamer in der Französischen Kirche am 23.September 1753 

Kamp, Silke

 

 

 

   

 

 

   

 

   

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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