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Carl Christian Horvath (1752-1837)

.... innovativer Verleger

 

Horvath  war weitbekannter Verleger, Buchdrucker und -händler und wohnte am Wilhelmplatz 6 (heute Platz der Einheit). Sein Vater, einst römisch-katholischer Priester, war aus Ungarn immigriert. Weil er konvertierte war sein nicht unerhebliches Vermögen konfisziert worden, so daß Horvath in den eher ärmlichen Verhältnissen eines Magisters in Wittenberg aufwuchs.

Neben "Horvaths Buch- Kunst- und Musikalienhandlung" betrieb er einen eigenen Verlag und eine seinerzeit moderne Leihbibliothek mit dem damals ungewöhnlich großen Bestand von 500 Bänden. Ausgangspunkt seiner erfolgreichen Geschäfte war ein von seinem Schwiegervater übernommener, wenig florierende Verlag. Das Hauptaugenmerk lag auf  fach- und populärwissenschaftlicher Literatur, während Belletristik lange nebensächlich behandelt wurde. Horvath war also so etwas wie ein Mann neuer Medien. Seinen geschäftlichen Start beschrieb er selbst: "Mit Vertrauen auf die Vorsehung besorgte ich mein kleines Geschäft und hatte die Freude, daß es sich mit jedem Monat etwas vermehrte. Aber ich und meine Frau hatten noch viel Zeit übrig, und, um noch eine Nebenbeschäftigung zu haben, fingen wir an, Kupfer zu Buffons Naturgeschichte für Herrn Pauli zu illuminieren, womit wir beide monatlich 20 Thlr. verdienten, die uns in unserer Wirtschaft trefflich zu statten kamen."

Schon in jungen Jahren beeindruckte er Friedrich II., der ihn privilegierte und ihm empfahl, die Feldzüge des Marschalls von Luxemburg und die Geschichte Ludwigs von Bourbon II., Prinzen von Condé herauszubringen. Beides wurden Lieblingsbücher Friedrichs.

Horvath verlegte über 140 Bücher. Darunter befinden sich viele theologische und pädagogische Werke, auch Schriften über das Militärwesen, die sich in Preußen, zumal in Potsdam und Umgebung, natürlich besonders gut verkauften.

Bestseller waren ein Militärgesangbuch in einer Auflage von knapp 150 000 Exemplaren und im Zusammenhang mit der Preußischen Kirchenunion lutherischer und reformierter Gemeinden, das Hilfsbuch beim Gebrauch der Kirchenagende

Innovativ waren auch die von ihm herausgebrachten Werke mit Beschreibungen Potsdams und seiner Schlösser. Hervorzuheben ist für diese Kategorie sein 1798 erschienener Band "Potsdams Merkwürdigkeiten beschrieben und durch Plans und Prospekte erläutert". Etliche Werke brachte er auch in französisch heraus, der damaligen Umgangssprache in unserer Gemeinde.

Sein Lieblingsbuch war das Lehrbuch der Naturgeschichte für die Jugend.

Existenzbedrohlich war die Herausgabe der Frischbachschen statistisch-topographische Städtebeschreibung der Mark Brandenburg, ein Werk, kaum Absatz fand, heute allerdings zu den gesuchtesten der brandenburgischen Spezial-Geschichte zählt.

Gut reformiert wurde Horvath auch politisch aktiv. Im Zuge der Stein-Hardenberg'schen Reformen wurde er von 1809 bis 1811 erster Stadtverordnetenvorsteher in Potsdam und war anschließend 6 Jahre als Stadtrat tätig. Auf die Wahl des Stadtverordnetenvorsteher hatte der König keinen Einfluß, wie auf die des Bürgermeisters. Dazu war eigentlich Wilhelm Sankt Paul  ein anderes Gemeindemitglied, gewählt worden, doch der König im fernen Königsberg konnte den unterlegenen Polizeidirektor a.D. J.H.Brunner zum Oberbürgermeister bestimmen (1821 wurde Sankt Paul dann doch OB).

Bemerkenswert vielleicht, daß von den seinerzeit 13.000 Potsdamern keine 1.000 die Voraussetzung für das Wahlrecht erfüllten (grundbesitzend, einkommend, männlich).

 

Seines reformerischen Geistes wegen, nannte man Horvath auch den Freiherrn von Stein Potsdams.

In der Gemeinde tat Horvath sich in der Armen-Kommission hervor.

 

1825 war Horvath Mitbegründer des heute noch bestehenden Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Darin erwies er sich wieder als überaus weitblickend, denn der Börsenverein war der erste über alle damaligen Ländergrenzen hinweg handelnden Berufsverband. Zunächst war der Verein eine reine Rationalisierungseinrichtung zur Weiterführung der Börse. Doch schon bald entwickelte er sich zur Vertretung der Interessen des gesamten Berufsstandes. Dazu gehörte vor allem der Kampf gegen staatliche Zensur, dann aber auch mit Nachdruck betriebene Initiativen für eine die Landesgrenzen überschreitende Urheberrechtsgesetzgebung. Schon bald setzte sich der Börsenverein auch für feste Buchpreise ein.

 

1837 wurde Horvath auf dem Alten Friedhof beerdigt.

 

 

    

 

       

 

       

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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