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Tilman Hachfeld (1942 - *)

.... was da nach Gottes Wort erneuert werden sollte, muss vorher durch die Predigt des Gotteswortes in den Köpfen und Herzen vorbereitet sein

 

Kurt Anschütz *

 

Zehn Jahre lang war Tilman Hachfeld Mitglied des Reformierten Moderamens. Im Sommer 2004 bestellte ihn die Synode zum Moderator und betraute ihn damit in besonderer Weise mit der geistlichen Leitung unserer Kirche. Er hatte dieses Amt nicht begehrt, sondern sich in die Pflicht nehmen lassen – mitten in einer schwierigen und viele von uns belastenden Lage.

Drei Jahre später sind heute die Verhältnisse befriedet: wir haben zu einem gemeinsamen Aufbauwillen zurückgefunden.

An dieser guten Entwicklung hat Tilman Hachfeld wesentlichen Anteil: Durch geduldiges Arbeiten in vielen Gremien hat er Menschen und Ideen zusammengeführt, durch Vorantreiben von Ordnungsfragen hat er Grundlagen gelegt, im seelsorgerlichen Respekt vor den Lebensflüssen Anderer hat er manche Geschwister aufgerichtet, und durch durchgängige theologische Bemühung hat er mitgeholfen, dass wir heute so ganz anders als vor Dreijahresfrist ins Freie gestellt sind: dahin, wo nicht mehr wir selbst uns bedrängen, sondern dahin, wo die Wirklichkeit uns bedrängt. Zu Sylvester 2005 schrieb Tilman Hachfeld: „Wir versuchen auf Fels statt auf Sand zu bauen. Aber das ist in der Mark inklusive Berlin gar nicht so einfach. Wir bleiben Ereignissen und Entwicklungen ausgeliefert, die wir nicht im Griff haben“.

Die primäre Herausforderung, der wir uns stellen müssen - und allein auf diese soll hier hingewiesen werden - ist für Tilman Hachfeld die Realität unserer Gemeinden. Er schreibt: „Es reicht nicht aus, Pfarrstellen zu besetzen; die Stelleninhaberinnen und –inhaber sind vielfach Situationen ausgesetzt, die entmutigend wirken können; in einigen Gemeinden besteht statt Aufbruchsstimmung eher Resignation angesichts sich abzeichnender zukünftiger, z. B. demografischer, Entwicklungen. Diese Entwicklungen müssen wir realistisch für unsere Gemeinden erfassen.”

Die deshalb durchgeführten Gemeindekonsultationen dienten dem Moderamen indes nicht nur zur Bestands-analyse; vielmehr waren sie zugleich doch stets auch von der Frage geleitet, was denn vor Ort zu tun sei, damit unsere Gemeinden umfassender und einladender Zeugnis abzulegen vermöchten.

Hat Tilman Hachfeld diese Frage der Erweckung als prioritär herausgestellt, so tat er dies aus einer Besorgnis, die freilich weit über das Kirchliche hinausgeht: Denn das Zeugnis der Gemeinde geschieht ja nicht um ihrer selbst willen, sondern ist Gehorsam gegenüber dem sie begründenden Geschenk Gottes und damit Dienst an den Menschen und Verantwortung für die weite Welt.

Diesen Zusammenhang hat Tilman Hachfeld in seinem Vortrag über „Zwingli und die Perspektiven für die Kirche im 21. Jahrhundert“ so formuliert: „Wo das Wort Gottes von den Kirchen für ihre eigenen Zwecke angeführt wird, wird seine Eigendynamik verleugnet. Dagegen gilt es neu zu erkennen, dass es universal und zielgerichtet ist auf eine Schöpfung, die im Einklang mit Gottes Willen ist. Es verheißt der Welt Frieden und Gerechtigkeit. Dieser Dienst ist das konsequente Eintreten für alle Benachteiligten und verträgt keine Kompromisse, wie sie die Vergangenheit und Gegenwart der Kirche geprägt haben und prägen. Nur als Anwalt der Armen in materieller wie in geistiger Hinsicht wird Kirche in der Welt glaubwürdig sein.“

Ist diese Berufung ins Konkrete und ins Unermessliche die Freude der Erwählten, so ist sie zugleich doch auch ihre Not - die Not derer, die sich immer wieder als müde, als glaubenslos, als vor allem um sich selbst besorgt erkennen. Wenn Tilman Hachfeld diese unsere Not angesprochen hat, so geschah dies stets in der gerade ihr gegenüber angemessenen und erforderlichen Gelassenheit. Denn er wusste, dass Gott Treue hält und uns heute und beständig ruft: „Die Predigt verkündigt Gottes Gerechtigkeit und seine unverdiente Gnade für uns. Sie macht dadurch frei von allen falschen Bindungen an Geschöpfliches“. Und durch solche Befreiung kann alles möglich werden – wie einst realiter in der Schweiz: „Zwinglis Grundsatz war es immer gewesen, dass alles, was da nach Gottes Wort erneuert werden sollte, vorher durch die Predigt des Gotteswortes in den Köpfen und Herzen vorbereitet sein müsste. Und in der Tat, die Kraft dieser Reformationsbewegung beruhte darauf, dass sie nicht in erster Linie in den neuen Formen und Strukturen, sondern in einem neuen Erkennen und Wollen, einer neuen Frömmigkeit bestand.“

Das ist die weite Perspektive, in die Tilman Hachfeld unsere Kirche hineingestellt hat: Eingebunden in ein teures Erbe, dürfen wir unterwegs sein unter dem Wort. Und wo wir, „behütet und getröstet wunderbar“ (Dietrich Bonhoeffer), in unseren Gemeinden gemeinsam aus sind auf „neues Erkennen und Wollen“, da wird’s an Gottes Erweckung nicht fehlen.

 

Barmherziger Gott, wir danken Dir für den Dienst, den Tilman Hachfeld in unserer Kirche getan hat und für Heidi Hachfeld-Hörler an seiner Seite. Wir danken Dir für Beider Zeugnis: für ihre Verkündigung, für ihr Beten und für ihr Eintreten da, wo sie gebraucht wurden. Wir bitten Dich: sei mit ihnen auch fernerhin, schenke ihnen Jahre der Liebe und der Freude aneinander und zu Dir.

Treuer Gott, wir bitten Dich für unsere Gemeinden, insonderheit für die Französische Kirche zu Berlin. Laß Frucht bringen, was begonnen wurde. Mache immer wieder neu Menschen bereit, Dir zu dienen – in der Welt nicht nur, sondern auch innerhalb der Kirche. Schenke Kraft und Freudigkeit den Nachfolgerinnen im Pfarramt und im Moderatorenamt.
Ob wir nun gehen, kommen oder bleiben: uns Allen sei ein gnädiger Gott.

Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

* Ansprache zur Verabschiedung von Pastor Tilman Hachfeld aus dem Pfarrdienst und als Moderator des Reformierten Moderamens der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), am 29.April 2007 in der Französische Friedrichstadtkirche

Dr.Kurt Anschütz, stellvertretender Moderator

 

Tilman Hachfeld unterhält auch eine eigene Internetseite .

 

  

 

  Huldrych Zwingli und die Perspektiven für die Kirche im 21. Jahrhundert 

Tilman Hachfeld

 

 

 

    

 

       

 

       

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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