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Hören – Sehen – Sich verstehen - Gott verstehen *

.... mit Gehörlosen zweisprachig Gottesdienst zu feiern, kann besonderen Charakter haben

 

Hildegard Rugenstein

 

Mehrsprachige Gottesdienste zu feiern sind wir als französisch-reformierte Gemeinde gewöhnt, französisch oder auch mal englisch, schwedisch oder spanisch kommen manchmal vor, je nachdem, wer zu Gast ist.

Mit Gehörlosen einen zweisprachigen Gottesdienst zu feiern, hat einen ganz besonderen Charakter: wir Hörenden hören mehr und tiefer. Die Kirche ist erfüllt von doppelter Aufmerksamkeit - von Hören und Sehen. Wir werden beachtet und beobachtet von den Gehörlosen, wir Hörenden sehen fasziniert der Dolmetscherin zu. Weil das simultan Übersetzen direkt und ohne Kopfhörer geht, kostet es im Unterschied zu anderen zweisprachigen Gottesdiensten nicht mehr Zeit. Alles wird gleichzeitig, nicht nacheinander gesagt und gebärdet. Man sieht sich, nimmt sich gegenseitig wahr und eine fragende Aufnahmebereitschaft und die gemeinsame Suche nach Gottes Nähe schafft eine ungewöhnliche Gegenwart. Die Konzentration wird für Hörende ins fast Anstrengende erhöht, sagte eine junge Frau aus der hörenden Gemeinde, aber es ist ein großes Geschenk! Ein junger Mann freut sich: ich muss gar nicht weit weg fahren, um etwas Besonderes zu erleben. Hier im zweisprachigen Gottesdienst erlebe ich zu Hause eine andere Welt.

 

Für die Gebärdensprache ist eine gute Optik so wichtig wie für uns Hörende eine gute Akustik: in unserer reformierten Kirche sind die Voraussetzungen für beide Gruppen gut.

Der schöne helle freundliche runde Kirchenraum mit weiten Stuhlkreisen, das gleichberechtigtes Sitzen um die heilige freie Mitte ist an sich ja schon ein Gottesdienst, meint die gehörlose Pastorin Sabine Fries, Presbyterin in unserer Gemeinde. Mit ihrer besonderen Fähigkeit, viel von den Lippen ablesen zu können, haben wir von ihr in wenigen Jahren erstaunliches gelernt: Für unsere Presbytersitzungen nannte sie uns Hinweise zur Gesprächsführung: Bitte redet nacheinander, nehmt die Hand vom Mund, wenn ihr redet, bitte keine Seitengespräche und bitte keine widersprüchliche Gesichtsmimik zu dem Gesagten. Klare Kommunikation ist etwas sehr Wertvolles! Wir sehen uns mehr an, wir sehen uns ins Gesicht. Wir sind bemüht ums Verstehen und wollen auch verstanden werden. In gewisser Weise hat sie uns die Gesprächsleitung ersetzt, weil wir alle aufmerksamer miteinander umgehen.

Wir Hörenden hören mehr: einige Vokabeln der Gebärdensprache sind wie

Ergänzungen zu dem Gehörten. Die Intensität der Worte wird dadurch erhöht. Eine Predigt über den Propheten Nahum ( = der Tröster) wurde besonders einfühlsam, unvergesslich, weil sie in die Gebärdensprache übersetzt wurde und immer wieder die Trostgebärde darin vorkam. Eine oft vorkommende Gebärde ist die für Christus: Christus ist Ostern aufgestanden und zeigt uns im neuen Leben seine Wunden. Diese bewegte Gebärde „Christus“ sagt mehr als theologischen Formulierungsversuche sagen könnten.

Die Spiritualität verändert sich, wenn man mit Gehörlosen zusammen betet und Gebärdenlieder singt: einige Hörende haben von Gehörlosen gelernt, mit offenen Augen zu beten und einige Gebärdenlieder gehören zu den Lieblingsliedern der hörenden Gemeinde. Die Andacht wird umfassender, weiter und gegenseitiger. Erstaunlich ist, dass die Stille etwa beim Beten und Segnen größer und tiefer ist, wenn Hörende und Gehörlose gemeinsam Gottes Gegenwart erleben.

 

* Leitartikel in "die Kirche" zum Sonntag "Exaudi, höre", 20.5.2007

Pastorin Hildegard Rugenstein
Französisch-Reformierte Gemeinde in Potsdam
Gutenbergstraße 77

 

 

 

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Stand: 08. Februar 2017

 

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